Forschung

Forschungsarbeiten der urbanauten

Anja Junghans
Der Flashmob
– Strategie der Sichtbarkeit und Evidenz
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Phänomen des Flashmobs. Auf
Grundlage der Feststellung, dass mediale Dokumentationen des Flashmobs seit
seiner Entstehung an Bedeutung gewonnen haben, wird dieser unter dem Aspekt
der Produktion von Sichtbarkeit und Evidenz betrachtet. Ziel ist es die Funktion
sowohl der Live-Aufführung des Flashmobs als auch dessen Medialisierung zu
ergründen. Zu diesem Zweck werden zwei Phasen analytisch unterschieden: die
der Materialisierung, die durch den Übergang vom virtuellen Raum des Internets
zum materiellen Raum der Stadt gekennzeichnet ist und die der Entmaterialisierung, die durch den gegenläufigen Prozess der Rückführung vom Raum der Stadt in den
des Internets beschrieben wird. Es wird gezeigt, dass der Flashmob der virtuellen
Gemeinschaft zu Sichtbarkeit verhilft und gleichsam Evidenz deren Existenz
herstellt. Eine performative Beweisführung.

Sebastian Dengler
Ein Experiment im Münchner Glockenbachviertel
„Hier ist Platz für Ihre Meinung – Nutzer äußern Anforderungen an ihren Stadtplatz“
323 Mal wurde am „Glockenbachplatz“ im Rahmen der Diplomarbeit der Auslöser eines Fotoapparats betätigt. Dabei wurde von Anwohnern, Passanten und Platznutzern Positives und Negatives aus ihrer Sicht dokumentiert. Untersucht wurde der Bereich Am Glockenbach/Karl-Heinrich-Ulrich-Platz. 
Die fotographisch festgehaltenen Schwächen des Glockenbachplatzes waren u.a. der fehlende Zugang zum Bach, mangelnde Nahversorgung, Restgrün und Unkraut. Positiv bewertet wurden der Spielplatz, das Kinder- und Jugendhaus KUBU, die Freischankflächen und das Gebiet am Westermühlbach. 
Aus der Fotodokumentation und den Interviews erarbeitet Sebastian Dengler Vorschlage für eine einfache und kostengünstige Umgestaltung (siehe Fotomontagen) vom Bouleplatz bis zur Nutzung der Wiese am Westermühlbach als Erholungsfläche fürs Viertel.

Benjamin David
Feste, Märkte und Proteste

Organisierte Ereignisse im öffentlichen Raum
In seiner Diplomarbeit »Feste, Märkte und Proteste – organisierte Ereignisse im öffentlichen Raum in München« stellt Benjamin David vollständig alle 6000 Ereignisse, die im Jahr 2001 auf Münchens Straßen und Plätzen stattfanden, in Karten und Diagrammen dar. Darüberhinaus diskutiert er 14 Einzelbeispiele für Märkte, Demonstrationen und Veranstaltungen. Er zeigt, daß es immer mehr Ereignisse im öffentlichen Raum gibt und sich die Veranstaltungsformen immer weiter ausdifferenzieren. Sie stellen als »temporäre öffentliche Räume« einen wichtigen Beitrag zum sozialen Zusammenhalt der Stadtgesellschaft in der zunehmend fragmentieren und privatisierten Stadt der Ströme und Erlebnisse dar.

Ulrike Bührlen
Kulturelle Zwischennutzung in München
Zwischen Nutzungen passen Kunst und Kultur
In der Literatur wird kulturelle Zwischennutzung weitgehend als Chance für die beteiligten Akteure – kulturelle Zwischennutzer, Eigentümer und Kommune- angesehen. Bisher ungenutzte „tote“ Räume, die Verfall, Depression und Niedergang ausstrahlen können so „reprogrammiert“ und der Stadtgesellschaft zugänglich gemacht werden. Damit, so die Hoffnung, kommt es zu einer Imageaufwertung des Gebietes und kann bei einer künftigen Vermarktung hilfreich sein. In der Diplomarbeit wird die Situation in München untersucht.

Vera Neuhäuser
stadthalten
Kunst auf Brachflächen – Qualitatives Wachstum in der schrumpfenden Stadt?
In der Debatte um die schrumpfende Stadt taucht an verschiedener Stelle eine Idee auf: Könnte Schrumpfung Chance für ein qualitatives Wachstum sein? Das empirisch untersuchte Kunstprojekt stadthalten im Schrumpfgebiet Leipziger Westen inszeniert Brachflächen durch innovative Raumkunst und will so räumliche Identität unter den Bewohnern stiften. Die Untersuchung basiert auf einem Methodenmix aus qualitativer und quantitativer Befragung. Der Grad der gestifteten räumlichen Identität durch stadthalten wird anhand eines Indikatoren-Sets eingeschätzt. Außerdem werden vier Einflussgrößen, die sich auf die Entstehung von räumlicher Identität teils wesentlich auswirken, untersucht. Kunst auf Brachflächen kann ein Baustein einer qualitativen Stadtentwicklung sein, wenn die Zielsetzung lautet: Mehr Lebensqualität für die verbleibenden Bewohner schaffen, um deren Lebensgefühl zu verbessern, um Trostlosigkeit, Resignation und kognitiver Einigelung entgegen zu wirken.

Stefan Zöller
Stadtplatz Münchner Freiheit.

Soziale Dimensionen eines öffentlichen Raumes
Die Diplomarbeit am Seminar für Sozialwissenschaftliche Geographie der Universität München beschäftigt sich mit dem Leben auf einem Platz, dessen Gestaltung seit über 30 Jahren intensiv diskutiert wird. Vor dem Hintergrund einer aktuellen lokalen Planungsdebatte und eines deutschlandweiten theoretischen Fachdiskurses um den öffentlichen Raum erkundet die Studie mit einem qualitativen Forschungsansatz die soziale Realität der Münchner Freiheit. Hierzu wurden Platznutzer, Platzbetreuer, Platzgestalter und auch Platzkritiker aus den verschiedensten Bereichen interviewt. Darüber hinaus wurden der Platz und die Umgestaltungsdebatte ein Jahr lang beobachtet und dokumentiert. Ein wesentliches Ergebnis ist die Feststellung, dass die verschiedenen Akteure und Funktionen an der Münchner Freiheit zusammen ein soziales System bilden, das den Platz – trotz Nutzungskonflikten im Detail – relativ gut funktionieren lässt. Einer derzeit vor allem auf architektonische Fragen verengten Planung bieten sich somit Lösungsansätze, die abseits rein baulicher Maßnahmen das Potential dieses sozialen Systems berücksichtigen.

Christian Hartard
Neuperlach. Utopie des Urbanen

Leitbilder und Stadtbilder eines Experimentes der 1960er-Jahre
Die Studie, 2003 als Magisterarbeit am Kunsthistorischen Institut der Universität München entstanden, beleuchtet aus einer ideologiekritischen Perspektive die Planung, Zielsetzung und Realität der Münchner Trabantenstadt Neuperlach und stellt die zugrundegelegten Konzeptionsprämissen in einen zeitgenössischen urbanistischen Kontext. Damit schließt sich nicht nur eine Lücke in der städtebaulichen Nachkriegsgeschichte Münchens; vielmehr bietet die Arbeit am Beispiel des größten bundesdeutschen Siedlungsprojektes eine Analyse der den Städtebau der 1960er-Jahre insgesamt prägenden Problemkonstellation: der vergebliche Glaube an die mechanische Herstellbarkeit des Städtischen zum einen, zum anderen der Widerspruch zwischen einer Renaissance des Stadtgedankens und der noch unreflektierten Nachwirkung älterer, stadtfeindlicher Leitbilder lassen die »Utopie des Urbanen« letztlich scheitern. Nur vor diesem Hintergrund wird die Kluft zwischen Versprechen und Wirklichkeit der ersten Generation deutscher Trabantenstädte verständlich. Ausgezeichnet mit dem Heinrich-Wölfflin-Preis 2003 des Freundeskreises des Kunsthistorischen Institutes München.

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