Mehr Platz für Alle! Die Zukunft des öffentlichen Raumes in der großen Stadt München!

Eröffnungsrede von Benjamin David, Sprecher der urbanauten, anläßlich der Tagung „Mehr Platz für Alle!“ in der Ev. Akademie Tutzing vom 31.1. – 2.2.2014

>>> Hier kann die Rede als *.pdf heruntergeladen werden <<<

„München stagniert!

Konnte man in den 1990er Jahren sagen.

München war damals die Insel der Seeligen, das Millionendorf, die gemütliche Weltstadt an der Isar.

München wächst!

Konnte man in den sog. „Nuller Jahren“ nach 2000 sagen. 10.000 Menschen – pro Jahr – kamen in diesem Jahrzehnt dazu. Insgesamt 100.000 Menschen. Irgendwie begann sich München hier eng anzufühlen – vielleicht haben wir auch deswegen die urbanauten gegründet.

München explodiert!

Heute! Seit 2011 wächst München – oder vielmehr die Zahl der Münchnerinnen und Münchner – für heutige Verhältnisse dramatisch. Und ich wähle ganz bewußt dieses Wort „dramatisch“, denn nichts und niemand ist in dieser Stadt dafür gerüßtet, damit umzugehen. Die organisierte Tatenlosigkeit – zumindest in Relation zur Herausforderung – ist „beeindruckend“. Gut das wir hier zusammen gekommen sind um uns darüber zu unterhalten.

Jedes Jahr ziehen 30.000 Menschen nach München… … In die Region rund um München nochmal genau so viele. 60.000 Menschen im Jahr mehr also in der Stadt und Region, die viele von Ihnen, von Euch, hier Anwesenden Ihre Heimat nennen.

Diese Zuwanderer wollen wir als weltoffene Stadtgemeinschaft, als „Weltstadt mit Herz“, herzlich willkommen heißen.

Und für die, die es nicht tun wollen, haben wir nur eine Botschaft: die Menschen kommen ob Ihr es wollt oder nicht, da es die Gesetzeslage eines modernen Einwanderungslandes und des zum Glück geeinten Europas ist, die fast allen Europäern vollkommene Niederlassungsfreiheit hier in München und der Region gewährt. Das soll und wird auch so bleiben.

Als eine der – in vielfacher Weise, also nicht nur „Diridari“ – reichsten Gemeinwesen der Welt wollen wir diese Menschen willkommen heißen.

Und gleichzeitig wollen wir auf uns – die wir schon hier sind – achten! Das geht – aus meiner Sicht und ich hoffe aus unserer Sicht – zusammen, wenn wir die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum und den Erhalt und viel mehr noch die zeitgemäße Weiterentwicklung des öffentlichen Raumes und des urbanen Stadtlebens in München zusammendenken – und nach „vowärts“ denken und lenken.

Völlig klar ist, dass wir mit dem herkömmlichen „Münchner Modell“ des Minimalismus und der Mutlosigkeit (die Beführworter dieser „Strategie“ nennen es „Vorsicht“ und „Zurückhaltung“) die Zukunft unseres Gemeinwesens unter diesem massiven europäischen Wanderungsdruck verspielen werden – oder dies bereits seit einigen Jahren tun. Dieser Wanderungsdruck wird nach allem was wir ahnen können die nächsten Jahre weiterhin das Bild unserer Stadt an der Isar prägen – ja – bereichern.

Was ist dafür zu tun, damit das gelingen kann?

München hat seit Anfang des neuen Jahrtausends, seit 2001 bereits, im Zuge der sog. „Wohnen in München III-V Stadtrats-Beschlüsse“ ein Wohnungsbauziel von 7.000 Wohnungen im Jahr beschlossen. Das Ziel war auch halbwegs geeignet die Situation zu steuern, solange 10.000 Menschen im Jahr – im Saldo – nach München zogen, wie es 2000-2010 der Fall war.

Jetzt sind es aber 30.000 Menschen im Jahr, die nach München kommen. Dreimal soviele pro Jahr. Und das war 2013 schon zum dritten Mal in Folge so. Also drei Mal so viel wie im Jahrzehnt davor. Oder anders formuliert: in den letzten drei Jahren sind soviele Menschen nach München – ins Stadtgebeit – im Saldo – gekommen, wie im gesamten Jahrzehnt davor.

Knapp 100.000 Menschen in drei Jahren!

Und nochmal genauso viele in die Region rund um München.

Da ist es eigentlich schon ganz schön verblüffend, zumindest aber krasse Mutlosigkeit und Augenwischerei, dass die Politik das Wohnungsbauziel 2012 einfach bei 7.000 Wohnungen im Jahr beließ, wie im Jahrzehnt davor, – nur jetzt für 30.000 neue Menschen im Jahr in unserer Stadt.

Wer sich hinter den Kulissen des Rathauses ein bisschen auskennt, der weiß, dass die „Mutlosigkeit“ und ein ein Stück weit auch „Unehrlichkeit“ nicht nur war, weil das alte Ziel der 7.000 Wohnungen im Jahr – aufgrund von allen Möglichen Verspannungen, Legalismen oder Widerständen – ohnehin nicht erreicht wurde und man sich vor den Kommunalwahlen 2014 nicht blamieren wollte, sondern auch weil die Mehrheitspartei sich anschickte den für selbstverständlich erachteten Übergang am Erbhof des – übrigens von mir sehr geschätzten – Sonnenkönigs Christian zum nächsten Sonnenkönig mit der heimeligen Botschaft „Damit München München bleibt“ zu gewinnen.

Im Sinne der Sache, vielmehr der Menschen, der 30.000 neuen im Jahr und der 1,5 Millionen die bereits hier wohnen, eigentlich zwingend gebotene – Aufbruchssignale und politischer Mut meinte man wohl, würden den an die Heimeligkeit der 90er Jahre gewöhnten Münchnerinnen und Münchnern, vielleicht nur Angst machen.

Nachdem München 2013 bereits zum dritten Mal in Folge um 30.000 Einwohner im Jahr gewachsen ist, ist es eigentlich – ein bisschen Mathematik genügt – im Beschluss „Wohnen in München VI“ zumindest rein rechnerisch angesagt, das Wohnungsbauziel von 7.000 auf 21.000 Wohnungen im Jahr anzuheben. Wer hier denkt, da könnte uns ja die Region aushelfen – Neuperlach am Starnberger See läßt grüßen, und ein Neuperlach am Ammersee noch und ein Neuperlach am Maisinger See vielleicht auch noch – der sei erinnert, dass dort in der Region die Bevölkerung ebenfalls um 30.000 Menschen im Jahr wächst, also ohnehin schon 21.000 Wohnungen im Jahr geschaffen werden (müssen). 42.000 Wohnungen im Jahr muß die Metropolregion München schaffen, wenn sie die Nachfrage bedienen will und damit die Mieten und Kaufpreise stabil halten will – und es sind ja mittlerweile auch drei „versäumte“ Jahre aufzuholen.

Kleiner Themenwechsel…

Ich erinnere mich noch sehr gut an die Zeit der Weltklimakonferenz von Rio und danach, an die Agenda 21, an den Diskurs der nachhaltig Stadtentwicklung und des dabei zentralen Zieles der „Innenentwicklung“ und der “Stadt der kurzen Wege“ – also das mehr Stadtentwicklung im Bestand der bereits gebauten, versiegelten Kernstadt stattfinden möge als in der endlosen Stadtlandschaft von Suburbia und Exurbia.

Sind wir zu dieser Innenentwicklung und der Stadt der kurzen Wege als Gemeinwesen in der Metropolregion in der Lage? Zu dieser erheblichen Nachverdichtung?

Also dazu, dass von den 42.000 Wohnungen im Jahr, die entstehen müssten in der Region, mehr als die Hälfte – Innenentwicklung! – also mehr als 21.000 Wohnungen – innerhalb des Stadtgebietes entsteht? Im Moment schaffen wir nicht mal 7.000 und da regt sich schon an vielen Stellen Protest und Angst und die Politik und Verwaltung reden von der „Kooperation mit der Region“ (übersetzt heißt das: „nehmt doch ihr den Großteil der Last“).

Klar das da die Mieten im Stadtgebiet explodieren bei einer Nachfrage von 21.000 neuen Wohnungen und einem Angebot von 7.000. Um 89% sind die Mieten in München in den letzten 10 Jahren bei Neuvermietungen gestiegen.

– Schon irgendwie saublöd, dass meine Frau Angelika und ich da gerade heiraten, eine Familie gründen und zwei coole Jungs Xaver und Valentin auf die Welt bringen – in finanzieller Hinsicht – ansonsten ist das natürlich wunderschön! Aber Familie-Gründen in München ist im Moment eine schwere Aufgabe – in finanzieller Hinsicht.

Für 2014 wird übrigens ein Anstieg von weiteren 8% der Mieten bei Neuvermietungen erwartet – wie man neulich in der Zeitung lesen konnte. Also wenn jemand umziehen muß demnächst – schnell sein!

Was ist zu tun!

Wir sollten auf jeden Fall als Gemeinwesen eine möglichst große Anstrengung unternehmen soviele Menschen wie möglich, in so bezahlbarem – und lebenswerten – Wohnraum wie möglich unterzubringen, wenn wir nicht wollen, das unser liebgewonnenes Oberbayern immer weiter zersiedelt wird. Denn: das Hauptwachstum findet schon seit Jahren zwischen den S-Bahn-Achsen statt und dieser Trend wird sich vermutlich in den nächsten Jahren explosionsartig verstärken, wenn nicht im Stadtgebiet eine neue Wohnungsbauphilosophie ausbricht.

Wie also werden wir die Münchnerinnen und Münchner dafür begeistern, das Haidhausen und Schwabing in 20-40 Jahren 2 Stockwerke höher sind (damit sind KEINE Hochhäuser gemeint), das auch die sogenannten Gartenstädte viel dichter werden, in 40 Jahren vielleicht aussehen werden wie Schwabing heute. Ja das jedes Münchner Stadtteil, jede Nachbarschaft, ja jede Straße, seinen und ihren sozialen Beitrag zu mehr oder weniger 21.000 Wohnungen im Jahr leisten sollten, ja müsste, wenn wir die Mieten stabil, unser Gemeinwesen intakt und die Landschaft bewahrt halten wollen.

Das sind über 1000 neue Einwohner … pro Viertel … pro Jahr und 700-800 neue Wohneinheiten … pro Viertel … pro Jahr.

Sogenannte große zusammenhängende Siedlungsflächen in München haben übrigens nur noch für 45.000 Wohneinheiten Platz, bei heutigen eigentlich zu niedrigen Baudichten. Das ist in 5-7 Jahren schon beim aktuellen Wohnbauziel aufgebraucht. Spätestens dann, besser schon jetzt, sollten wir über Nachverdichtung im Bestand, in der bereits gebauten Stadt reden und wie wir die Menschen dafür begeistern, dabei mitnehmen!

Der Hinweis alleine, das wunderschöne und über die Maßen lebenswerte europäische Städte wie Kopenhagen doppelt so dicht wie München sind oder wie Barcelona viermal so dicht wie München sind, wird warscheinlich kaum reichen um die Menschen für eine große Integrations-Anstrengung in der Kernstadt, im bisher schon besiedelten Stadtgebiet zu begeistern – bzw. nur Menschen wie Ulrike Bührlen und mich, die in der Studienzeit ein Jahr in Barcelona genossen haben und sich dort NIE zu dicht gefühlt haben.

Da ich die fragenden Gesichter hier sehe. Nochmal die Zahlen:

Ja!

München hat 4.000 EW/ qkm,

Kopenhagen 8.000 EW/qkm

und

Barcelona 16.000 EW/qkm.

Das sind aber mit die lebenswertesten Städte unseres Planeten!!!

Wenn wir vor Nachverdichtung Angst haben – sitzen wir also einer Verkrampfung auf, die eigentlich wenig Sinn macht.

Wie also wollen wir die Münchnerinnen und Münchner für diese große urbane, integrative Kraftanstrengung begeistern – und Ihnen die Angst davor nehmen? Und ihnen zeigen, dass nicht nur für die Zuziehenden sondern auch für die bereits hier Wohnenden und Lebenden richtig was rausschaut, wenn wir die notwendige Nachverdichtung positiv begleiten und dafür unseren Schnitt fordern!

Als urbanauten – und ich denke auch viele andere von Ihnen und Euch – glauben wir, dass das Geheimnis der „öffentliche Raum“ in der Stadt ist und seine Qualitäten. Und das gerade hier in München ein rie-si-ger Nachholbedarf ist – den wir uns im übrigen auch leisten können, müssen und wollen! Dazu später mehr.

Die Menschen wollen ohnehin schon zurück in die Stadt, und dann hinaus oder auch hinein in die Stadt.

Doch was bietet sich Ihnen da für ein Anblick? Wie fühlt sich dieser öffentliche Raum an?

Undurchsichtige Kreuzungen, rasender Autoverkehr, rasende Radler, schimpfende Jogger, Lärm, das berühmte Abstandsgrün (die urbanauten hätten sich bei ihrer Gründung fast „abstandsgrün“ genannt; zum Glück haben wir es nicht getan!), Stellflächen für den sogenannten ruhenden Verkehr also Blechkisten oder „Privatkapseln“ wie wir sie nennen, Hundewiesen und Kotoneasterhecken, Schilderwald, Paragraphendschungel, Lieblosigkeit an vielen Enden und Ecken … prägen das Bild der Stadt im Alltag der Menschen.

WAS?, werden einige sagen, München ist doch wunderschön!

Die Postkartenmotive im Englischen Garten, im Nymphenburger Park oder an der südlichen renaturierten Isar hat jeder im Kopf, wenn er an den öffentlichen Raum denkt. Das Bild von der schönen Altstadt mit seinen Türmchen kommt da vielleicht auch irgendwie noch dazu. Aber das ist nur 5% des öffentlichen Raumes in München. 95% sind eigentlich in einem ziemlich desolaten Zustand.

Was ist eigentlich passiert, dass wir Großstädter, wir Münchner, den öffentlichen Raum – unseren öffentlichen Raum – nicht mehr als Gestaltungsspielraum begreifen für den wir Forderungen jenseits des eigenen egoistischen Interesses stellen, in dem wir uns als Stadtmenschen vergemeinschaften wollen.

Was ist eigentlich passiert,

…dass wir nicht einfordern, dass der Isartorplatz – oder sollte ich „Isartorkreuzung“ sagen – wieder seinem Namen gerecht wird und zusammen mit dem Tal, der Zweibrückenstraße, der Ludwigsbrücke bis zum Gasteig hoch, wieder der zentrale, identitätsstiftende öffentlichen Raum unseres Gemeinswesens wird.

Was ist eigentlich passiert, dass wir nicht verlangen, dass die Isarparallele wieder ein Flussufer von europäischem Rang wird, das hier die Unwirtlichkeit der Stadt ein Ende hat, dort wo Stadt und Fluß aneinanderstoßen. Ein öffentlicher Raum, in dem Aufenthalt, Kommunikation und Begegnung im Mittelpunkt des Interesses stehen. Ohne – oder mit ganz wenig – Autos, ohne Lärm, mit Cafés, Flanieren, Kultur, Leben am und im Fluss – auch in der Innenstadt. Da haben wir übrigens schon ein bisschen Bewegung erreicht als Arbeitskreis Isarlust, jetzt Isarlust e.V., wie Ihr nächste Woche in der Zeitung werdet lesen können (Beschluß im Planungsausschuss zu Rahmenplanung „Innerstädtischer Isarraum“).

Was ist eigentlich passiert, dass Horst Haffners spektakuläre Platzstudie von 1991 mit 400 (von 750) sog. „Plätzen“ in der Kategorie „schlecht“ oder „sehr schlecht“, nicht einen ebenso spektakulären Investitionsschub im öffentlichen Raum ausgelöst hat. Klar, ein paar schöne Beispiele gibt es – Jakobsplatz, Rindermarkt, Königsplatz … aber außerhalb der Innenstadt? Was wurde dort für den öffentlichen Raum getan in den letzten Jahren? Okay! Der Harras! Ja. Und das Pasinger Zentrum. Ja. Aber das sind Trippelschritte, wo Meilenstiefel in der massiv sich verdichtenden Stadt gefragt sind.

Was ist eigentlich passiert, dass die wunderschöne Tradition der bürgerschaftlichen Straßenfest in München, im Paragraphendschungel erdrückt wird (130 davon gibt es jedes Jahr in allen 25 Stadtvierteln!). Schon lange fordern wir – frei nach Friedrich Merz – die Anmeldung eines Straßenfestes auf einem Bierdeckel zu ermöglichen. Das aktuelle Formular zur Anmeldung hat 7 Seiten und der Genehmigungsbescheid 58 Seiten.

Was ist eigentlich passiert? Wie konnten wir nur in der Stadtentwicklung und der Kulturpolitik den öffentlichen Raum dermaßen vergessen?

Ehrlich gesagt: ich weiß es nicht.

Aber ich weiß, dass es schon seit Jahren und mit immer mehr Macht eine Gegenbewegung zu dieser Stadtfeindlichkeit, zu diesem Vergessen und Vernachlässigen des öffentlichen Raumes und des urbanen Lebens gibt

Von unten! Diese Bewegung fordert den öffentlichen Raum für die Menschen, für Kommunikation, Begegnung, Integration und Interaktion ein.

Da gibt es Green City – wo ich zusammen mit Ulrike Bührlen selbst übrigens 9 Jahre lang sozialisiert wurde, bevor wir die urbanauten gründeten – mit grandiosen Vorführungen der Stadtlust wie dem Streetlife Festival, der Blade Night, der Wanderbaumallee, dem Bus mit Füßen, …

Da gibt es die anstiftung – in München vor lauter selbstgewählter Bescheidenheit in der Stadtöffentlichkeit kaum ein Begriff – die bundesweit und auch in München in den letzten Jahren hunderte Nachbarschaftsgärten und interkulturelle Gärten angestiftet hat, in der eine ganze neue, „commonistische“, postkapitalistische Form der Stadtgestaltung und Vergemeinschaftung im öffentlichen Raum entsteht. Eine Bewegung, von der wir hoffen hier in Tutzing mehr zu erfahren.

Da gibt es das Münchner Forum – eine zivilgesellschaftliche Organisation par Excellence – die in den 70er Jahren als Fokuspunkt zahlreicher Bürgerinitiativen das Roden der Bäume am westlichen Isarufer für eine 8-spurige über der Isar aufgeständerte Stadtautobahn im Namen der „autogerechten Stadt“ verhindert hat, die der Stadt München seit vierzig Jahren versucht echte Bürgerbeteiligung nahezulegen und deren Jahresetat die Stadt München weniger kostet als der BMW des Oberbürgermeisters!

Da gibt es den Isarlust e.V. der sich – hervorgegangen aus dem Arbeitskreis Isarlust – vorgenommen hat, das Westufer der Isar wieder für die Menschen, die Fußgänger, die Flaneure zu öffnen (von „Sperren“ reden wir nicht gern und der Verkehr geht schon ganz von selbst zurück – innerhalb des Mittleren Rings durch die Parkraumbewirtschaftung um +-20%).

Da gibt es nicht zuletzt auch die urbanauten, die mit dem Kulturstrand und 100.000 Besucherinnen und Besuchern pro Jahr das Augen-Merk der Münchnerinnen und Münchner, der Stadtverwaltung und der Stadtpolitik überhaupt wieder auf den innerstädtischen Isarraum gelenkt haben – dem historischen Herz von 856 Jahren Stadtgeschichte an der Isar. Und die im Auftrag des Corso Leopold zusammen mit GC/Streetlife 600.000 Menschen an 2 WE zum Spaziergehen auf die autofreie Leopoldstraße bringen.

Da gibt es den FUSS e.V., dessen Vorsitzender Paul Bickelbacher, Grünen Stadtrat, die WALK 21 nach München geholt hat und damit dem Thema Fußverkehr ein ganz anderes Gewicht in der Stadt verpasst hat – wie er es auch zuvor schon mit der Velocity gemacht hatte.

Da gibt es 84 GHz, das Schwabinger Kunstbüro und Designer, die mit „Kunst im Karrée“ spektakuläre offene Galeriewochenenden in Schwabing und der Maxorstadt angeleiert haben und damit ein Vorbild für viele andere Stadtviertel sind.

Da gibt es die Pädagogische Aktion/ Spielkultur, die wie das Münchner Forum schon 20-30 Jahre vor unserer Generation der urbanauten und Green Cities vor allem für und mit Familen, jungen Menschen und Kindern den öffentlichen Raum wiederentdeckt hat.

Da gibt es – und jetzt kommt der Danksagungsblock – die Evangelische Akademie Tutzing und die Bundeszentrale für politische Bildung, die uns zum dritten Mal die Möglichkeit geben hier in der wunderbaren winterlichen Ruhe am See die Gedanken schweifen zu lassen und gemeinsam neu zu bündeln.

Danke Hanna-Lena Neuser für Deine Geduld mit uns und Deinen Antrieb!

Danke auch an Ulrike Haerendel und Martin Held, die uns bei der Moderation unterstützen und Christa Dawans bei der Organisation und die vielen anderen guten Geister in diesem schönen Haus!

Da gibt es zudem – Danksagungsblock, Teil 2 – mit Martin Schnitzer von Graphisoft jemanden, der unser inhaltliches Treiben hier in Tutzing und anderswo seit vielen Jahren mit der nötigen Infusion zur rechten Zeit ermöglicht. Danke dabei auch an die anstiftung für Gleiches, die ja vorhin schon Erwähnung fand!

Da gibt es aber auch so spannende Leute wie die Kulturkonsorten, Grün&Gloria, mucbook, muenchenarchitektur.com, Zehra Spindler und Patrick Gruban, die uns urbanauten den Blick für das Digitale am öffentlichen Raum geöffnet haben, für den „öffentlichen Zwischenraum“ irgendwo zwischen digital-virtuellen und real-urbanen Räumen und weiter öffnen werden. Auch hier in Tutzing.

Da gibt es – als tolle Ergänzung zu den ganzen Aktivisten für den öffentlichen Raum, Aktivisten zum Wohnen und Sozialem, das Bündnis bezahlbares Wohnen, das Sozialpolitische Forum oder auch die Evangelische Stadtakademie/ Jutta Höcht-Stoehr, die als eine junge, eine altehrwürdige und eine junggebliebene Organisation für das bezahlbare Wohnen und den sozialen und kulturellen Zusammhalt in dieser Stadt seit Jahrzehnten kämpfen. Wir freuen uns, dass auch dieser Part hier so angenehm vertreten ist.

All diese Aktiven und Aktivisten für den öffentlichen Raum und für den bezahlbaren Wohnraum in der Stadt haben sich dieses Wochenende in der Ev. Akademie Tutzing versammelt und dabei eine große Schar von kurzfristig Interessierten Teilnehmern und „Mitarbeitern“ an der „Tutzinger Erklärung“ begeistert. Dafür schonmal vielen Dank! Herzlich willkommen in Tutzing!

Wir haben aus den letzten beiden Tagungen gelernt, und werden unsere Gespräche hier in einer sauberen Dokumentation zusammenfassen, diese layouten und veröffentlichen:

In einer

… „Tutzinger Erklärung „Mehr Platz für Alle! Zur Zukunft des öffentlichen Raumes in der großen Stadt am Beispiel Münchens“ …

Dafür gibt es auch einen richtig guten Anlaß! Am 16. März, warscheinlich eher am 30. März 2014 entscheidet sich in der wichtigsten OB- und Stadtratswahl einer Generation, die Zukunft unseres Gemeinwesens in nicht unerheblichem Ausmaß. Wer jetzt OB wird, wird warscheinlich 12 eher 18 Jahre die Geschicke und das Gesicht unserer Stadt prägen.

Diesem Oberbürgermeister oder – vielleicht zum ersten Mal seit 856 Jahren – eine Oberbürgermeisterin!, den 80 Stadträtinnen und Stadträten und den 30.000 Mitarbeitern der LH München wollen wir aus diesem Anlaß eine Tutzinger Erklärung „Mehr Platz für Alle! Zur Zukunft des öffentlichen Raumes in München“ mit auf den Weg geben – und wenn es nach uns urbanauten geht unsere Forderungen und Projekte auch immer wieder in den kommenden Jahren gemeinsam mit Ihnen und Euch einfordern.

Wir freuen uns auf die Gespräche in den „Denk- und Schreibrunden“ und Abends in den Salons. Auf spannende Vorträge und eine spannende Abschlußdiskussion am Sonntag hier in Tutzing und am 13.2.2014 in München mit den drei OB-KandidatInnen Sabine Nallinger, Dieter Reiter und Josef Schmid.

Dabei sind wir überzeugt, dass es sich diese Stadt, die die letzten 5 Jahre 300 bis 500 Millionen Euro Überschuß – ja Überschuß! – erwirtschaft hat – und in 2 Jahren nach menschlichen Ermessen vollkommen schuldenfrei sein wird (ja wir sind finanztechnisch erfolgreicher als Goldman-Sachs, BMW und Siemens (aber ist das das Ziel für ein öffentliches Gemeinwesen?))

Wir sind überzeigt, das es sich diese Stadt leisten kann und muß jedes Jahr 25 statt bisher nur 2,5 Kreuzungen pro Jahr in lebenswerte Stadtplätze umzubauen – die 2. Stadtreperatur sozusagen. Und das wir nicht mehr halbe sondern ganze Fußgängerzonen bauen (vgl. Sendlingerstr. + Pasinger Zen trum). Mehr Platz für Alle bzw. für jedes Stadtviertel, für jede Nachbarschaft! Für jedes der 25 Stadtviertel jedes Jahr ein neuer schöner Stadtplatz oder wenn es die Bürger lieber wollen ein hergerichteter Stadtviertelpark.

Dabei sind wir überzeugt, dass es in dieser Stadt mehr als genug Platz für Alle im öffentlichen Raum ist, wenn wir ihn z.B. temporärer effektiv ausnutzen! Wenn wir zum Beispiel die verkehrsarmen Mittagszeiten, Abendstunden und Wochenenden hernehmen um viele Straßen autofrei zu machen und für die Menschen temporär zur Verfügung zu stellen, zu öffnen – das sind nämlich genau die Zeiten wo alle Menschen raus wollen – mittags, abends und an den WE. Eigentlich ganz einfach.

Dabei sind wir überzeugt, dass es in dieser Stadt mehr als genug bezahlbaren Wohnraum für alle geben kann, wenn wir unsere kleinen Egoismen zurückstellen. Denn jedes Stadtviertel, jede Nachbarschaft, jede Straße wird ihren Beitrag zur sozialen Nachverdichtung für bezahlbaren Wohnraum leisten müssen! 1000 Menschen … pro Jahr … pro Stadtviertel. Und wer sagt man könnte auch Ausversehen zuviele bezahlbare Wohnungen bauen, dem wünsch ich die …

… Ah. Ein Gentleman schweigt!

Dabei sind wir überzeugt, dass sich öffentliche, urbane Gärten und interkulturelle Gärten zum Beispiel auf vielen flachen Dächern realisieren, öffnen lassen und damit kreativ, neue öffentliche Räume gewonnen werden können.

Dabei sind wir überzeugt, dass sich auf den hunderten städtebaulich  „schlechten“ oder „sehr schlechten“ Stadt“-plätzen“ aus der Platzstudie von 1991 viel Raum findet für – ja auch für den – bezahlbaren Wohnraum UND neuen, tatsächlich nutzbaren öffentlichen Raum – also keine reinen Autokreuzungen mehr sondern reparierte soziale Stadt.

Dabei sind wir überzeugt, das der Wilde Westen des „öffentlichen Zwischenraumes“ – irgendwo zwischen digital/real zugunsten des Urbanen, Sozialen, Kulturellen sich in Wert setzen lässt bzw. zivilisiert werden wird. Flashmobs, Facebookparties, neue politische Bewegungen und Formate, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können, werden unsere Städte bereichen und ganz neue Räume eröffnen oder in diese Rückkoppeln.

Wir urbanauten würden uns freuen, wenn nach der Tagung – genau 50 Jahre nachdem der Münchner Stadtrat den „Stadtentwicklungsplan autogerechte Stadt“ verabschiedet hat, 1963/64, hier dieses Wochenende in der Ev. Akademie Tutzing der Grundstein für einen „Stadtentwicklungsplan öffentlicher Raum bzw. menschengerechte Stadt“ gelegt wird. Dafür wollen wir hier in Tutzing spannende Vortragsinputs hören (später mehr an Vorstellung zu unseren einzelnen Gästen aus Zürich, Wien, Hamburg, Berlin, Aachen/Essen/Hannover und Dallas!) und selbst in jeweils 5 parallelen „Denk- und Schreibrunden“ unsere Forderungen und Projekte zusammenfassen.

Am Sonntag könnten wir diese vorab mit Vertretern eines Münchner Bezirksausschusses, des Münchner Stadtrates, einem ehemaligen Landesminister und einem Bundestagsabgeordneten disktuieren. Am 13.2. diskutieren wir dann unsere gemeinsam erarbeiteten Forderungen/Ziele und (Modell-/Muster-)Projekte mit den drei OB-Kandiatinnen Sabine Nallinger, Josef Schmid und Dieter Reiter.

In diesem Sinne! Viel Freude beim Denken, beim Schreiben und beim Diskutieren über die „Wiederentdeckung des öffentlichen Raumes in München“ und die „Schaffung von bezahlbarem Wohnraum“.

Mehr Platz – für Alle!

PS: Wer sich fragt, wie er unsere Arbeit unterstützen kann – die ganze Tagung organisieren wir ehrenamtlich – der könnte beim Isarlust e.V. Mitglied werden. Dafür sind die Anmeldeformulare auf Ihren und Euren Plätzen oder Ihr/Sie melden sich unter www.isarlust.org an.“

Share
Posted on by Benjamin David. This entry was posted in Allgemein, Debatten und Vorträge, Debattenreihe "Die Vermessung des Urbanen", die urbanauten, Innerstädtischer Isarraum, Isarlust, Öffentlicher Raum, Tagung "Die Vermessung des Urbanen" and tagged , , , , , , , , . Bookmark the permalink.

Comments are closed.