Bericht vom Arbeitskreis Isarlust: Von Bibern, Mücken, Menschen und Münchnern. Der innerstädt. Isarraum als Raum für Urbanität UND Natur

Bericht über das 4. Öffentliche Treffen des Arbeitskreises Isarlust am 8.12.2011 im Café „München 72“ mit den Vertretern der Naturschutzbelange Georg Etscheit (Vorstand des Bund Naturschutz München e.V.), Dr. Heinz Sedlmeier (Geschäftsführer, Kreisgeschäftsstelle München, LBV), Rolf Renner (Isar-Allianz, Koordinationsbüro) und Astrid Sacher (Leiterin der Unteren Naturschutzbehörde der LH München)

Gleich in seiner ersten Themensitzung hatte sich der Arbeitskreis Isarlust des Münchner Forums und der urbanauten vorgenommen, mit den Vertretern der Naturschutzbelange ins Gespräch zu kommen. Es gelang ein Gespräch in konstruktiver, offener Atmosphäre, bei dem deutlich wurde, dass es einen großen Willen zur Kooperation und gegenseitigem Respekt im Umgang mit dem innerstädtischen Isarraum gibt. In der Einladung zum Treffen hieß es:

„Im innerstädtischen Isarraum treffen wie in keinem anderen städtischen Raum Münchnerinnen und Münchner, Verkehr, Flora und Fauna auf engstem Raum aufeinander. Einerseits ist die Ludwigsbrücke in diesem zentralen Stadtraum der Ort des Gründungsmythos der Großstadt München (Ost-West-Achse), andererseits stellt der Flussraum eine wichtige naturräumliche Verbindung von den Alpen bis zur Donau (Nord-Süd-Achse) dar. Wie können diese scheinbaren Gegensätze Naturraum und Stadtraum eine gemeinsame sich gegenseitig fördernde Wirkung entfalten? Was bedeutet „Landschaftsschutz“ in einer solchen Situation? Gibt es Leitideen, wie sich Stadt und Natur vereinbaren lassen? Welche konkreten kurzfristigen Maßnahmen können wir uns vorstellen?“

Der Vertreter des Bundes Naturschutz Georg Etscheit äußerte zu Beginn der Diskussion als bewusst überzogene Pointierung die Sorge, dass es das Ziel der Befassung mit dem innerstädtischen Isarraum im Landschaftsschutzgebiet sei, diesen „dauerhaft zu bespielen“ oder „eventisierend aufzuhübschen“ und ihm damit den Charakter des voralpinen Wildflusses zu nehmen. Er spricht sich zugunsten von Vögeln, für Gebüsch und gegen Rückschnitt für die Gewinnung von Blickbezügen aus. Er möchte auch keine weiteren Zugänge für die Münchnerinnen und Münchner zum Isarbett wegen des „ekelerregenden Gestanks von Schweinefleisch“, das die Griller verursachen. Das eigentliche Problem des innerstädtischen Isarraums sei der Verkehr in der Nord-Süd- und Ost-West-Verbindung mit seinem Lärm und seiner Staubentwicklung. Hier könne man durchaus gemeinsam etwas machen.

Der Vertreter des Landesbundes für Vogelschutz Dr. Heinz Sedlmeier, Rolf Renner von der Isar-Allianz und Astrid Sacher von der Unteren Naturschutzbehörde halten es hingegen in ihren Eingangsstatements und Diskussionsbeiträgen, getragen von einem pragmatischeren Willen, für durchaus möglich, behutsame Eingriffe zu Gunsten der Stadtgesellschaft – insbesondere der Erholungssuchenden – im innerstädtischen Isarraum vorzunehmen, ohne die Natur zu schädigen. Es gibt aus Sicht des Naturschutzes durchaus Möglichkeiten, die Isar nicht vom Menschen abzukoppeln und gleichzeitig dem Naturschutz Rechnung zu tragen. Ganz Tabu sollten dabei die Schwindinsel und die kleine Isar sein, über die anderen Bereiche des innerstädtischen Isarraums könne man reden. Eine Isar für die Münchnerinnen und Münchner UND die Natur ist aus Sicht der Vertreter der Naturschutzbelange machbar.

In der anschließenden Diskussion des Arbeitskreises wird deutlich, dass keiner von den Anwesenden an eine „dauernde Bespielung“ oder „eventisierende Aufhübschung“ des innerstädtischen Isarraums denkt. Die überspitzt vorgetragenen Sorgen des Vertreters des Bundes Naturschutz werden von allen Anwesenden mit großem Respekt wahr- und ernstgenommen und in der Diskussion entkräftet. In der spannenden und sehr ernsthaften weiteren Diskussion werden zahlreiche Vorschläge für Leitideen und kurzfristige Maßnahmen zur künftigen Entwicklung des innerstädtischen Isarraums als Stadt- UND Naturraum entwickelt.

Die ausführliche Dokumentation des Abends mit Vorschlägen für Leitideen und kurzfristige Maßnahmen findet sich im Lauf der nächsten Tage (wir feiern jetzt erstmal Weihnachten!) auf www.muenchner-forum.de und hier auf www.urbanaut.org und wird dem Planungsreferat offiziell als Input für die Rahmenplanung zum innerstädtischen Isarraum zugeleitet.

Die nächsten beiden Sitzungen des Arbeitskreises Isarlust finden Mitte Januar und Anfang Februar statt. Dabei beschäftigt sich der Arbeitskreis mit der Frage „Wem gehört der innerstädtische Isarraum?“ also Eigentums- und Regulierungsfragen und mit dem Thema „Der innerstädtische Isarraum als Kulturraum“. Die Gesprächspartner und den genauen Termin entnehmen Sie in den nächsten Tagen bitte den beiden Homepages oder der Einladung per E-Mail.

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Posted on by Benjamin David. This entry was posted in Allgemein, Debatten und Vorträge, die urbanauten, Innerstädtischer Isarraum, Isarlust and tagged , , , , , , , . Bookmark the permalink.

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