mundraub.org. Apfelbaum auf 48° 12‘ 37‘‘ nördliche Breite, 11° 56‘ 25‘‘ östliche Länge

Autor: Katharina Frosch, Innovationsökonomin und Mit-Gründerin mundraub.org

Damit kein ungenutztes Obst mehr am Baum verrottet, macht die Initiative mundraub.org den Mundraub salonfähig. Herzstück der Initiative ist eine auf Geoinformations- und Kartentechnologien basierende Webplattform, auf der Nutzer Obstbäume eintragen („taggen“) können, die von den Besitzern zum Abernten freigegeben wurden oder offensichtlich ungenutzt sind.

Die Medien titeln in Berichten über mundraub.org am liebsten „Gratisobst für alle“. Und mancherorts wurden gar „Scharen von plündernd über ländliche Gegenden hereinfallende Städter“ befürchtet. Verblüffend ist jedoch, dass die meisten Bäume auf der virtuellen Karte im urbanen Raum getagged werden – obwohl die Obstbaumdichte in ländlichen Regionen bei Weitem höher sein dürfte. Der Community geht es nicht (nur) um Gratisobst.

Auf der virtuellen Karte einen Baum zu taggen, oder zu stöbern, was in der Nähe denn so eingetragen ist, gleicht vielmehr einem Sich-wieder-Verwurzeln mit seiner Umgebung. Durch die virtuelle Vermessung des realen Raumes wird der Apfelbaum auf 48° 12‘ 37‘‘ nördliche Breite, 11° 56‘ 25‘‘ östliche Länge plötzlich zum Anlass. Zum Anlass, Ressourcen mit(einander) zu teilen und der alten Tradition von Allmendegütern wieder einen Platz zu geben; Geschichten zu schönen Orten zu erzählen, die wir in unserem Alltag sonst einfach links liegen lassen; Uns unsere Umgebung wieder zu erobern, sie zu beleben und mit neuen Bedeutungen zu versehen. All dies scheint im urbanen Raum auf besonders fruchtbaren Boden zu fallen.

Ob urbane Mundräuber, solche, die sich anstecken lassen, ob kritische Nach- und Vordenker, Virtualakrobaten, Realobstesser oder Raumvermesser – ich freue mich auf eine fruchtige Diskussion mit Euch auf der Tagung in Tutzing am kommenden Wochenende. Worüber? Vielleicht, ob ein Apfel nur ein Apfel ist? Warum der Nachbar einfach sein Obst … und dass doch Eigentum irgendwie auch verpflichtet. Oder wir spielen eine Runde „ich sehe was, was Du nicht siehst“, und finden heraus, welche Chancen und Gefahren die Vermessung des Urbanen für natürliche Allmende birgt.

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