Viel Unterstützung durch die Münchner Parteien, die Stadtverwaltung und den Oberbürgermeister für den Kulturstrand!

Über die Zukunft des Kulturstrands an der Corneliusbrücke wurde am 11.Mai 2010 im Stadtrat entschieden. Neben engagierten Bürgerinnen und Bürgern (vgl. Facebook, direktzu OB Ude) nahmen auch die Münchner Parteien und Stadtratsfraktionen an der öffentlichen Diskussion um die Zukunft des Kulturstrandes und der urbanauten teil. Soviel schon mal vorneweg: Wir möchten uns für die große Unterstützung bedanken!

Die Grüne Partei und die Grüne Stadtratsfraktion stellten sich klar hinter den Kulturstrand. Auch die FDP sprach sich in ihrer Pressemitteilung für den Kulturstrand am Isarbalkon auf der Corneliusbrücke aus. Die Bayernpartei befürwortet das Projekt. Die Linke kann sich auch mit dem Projekt und den urbanauten anfreunden, auch wenn Ihr Orte wie die Hackerbrücke deutlich lieber wären wie Orte an der Isar. Die Freien Wähler äußern sich auch positiv. Die einzige grundsätzliche Ablehnung des Projekts kommt vom Stadtrat der „inländerfreundlichen“ Bürgerinitiative Ausländerstopp.

Bei der SPD gingen die Jusos mit dem Beschluss „Kommerz Nein. Kultur Ja. Kulturstrand Ja!“ vorneweg und sprachen sich klar für Kulturprojekte im öffentlichen Raum aus. Der Kulturstrand gehöre dabei zu den gewollten Projekten, denn der kulturelle Aspekt stehe im Vordergrund und die kommerziellen Seiten des Projektes dienen lediglich zur Refinanzierung.

Die Junge Union forderte öffentlich die Rathausfraktion der CSU zur Zustimmung auf, wie der Münchner Merkur berichtet. Von einer „Lärmplage bis in die späte Nacht hinein“ könne keine Rede sein, so der JU-Vorsitzende. Lediglich eine einzelne Beschwerde habe es in den letzten zwei Jahren gegeben. Die Junge Union kündigte an, mit der Stadtrats-CSU darüber zu sprechen.

Am 29. April meldete sich dann Oberbürgermeister Christian Ude in einem Interview mit der Abendzeitung zum Kulturstrand zu Wort. Er verteidigte die Münchener Stadtverwaltung, denn sie werde sich für eine Genehmigung an der Corneliusbrücke aussprechen. Widerstand komme vom Bezirkausschuss und Bürgern, zudem habe der Stadtrat Ersatzstandorte im vergangenen Jahr gefordert. Als er letztes Jahr selbst an der Corneliusbrücke vorbei radelte konnte er allerdings keine Lärmbelästigung für die Anwohner feststellen und befürwortet die Corneliusbrücke als Standort.

In den Tagen direkt vor dem Stadtratsbeschluss sprachen sich dann auch die SPD- und die CSU-Fraktion grundsätzlich für den Kulturstrand aus. Eine schöne Zusammenfassung gibt es hier im Münchner Merkur:  Dabei wurde von beiden großen Parteien der Vater-Rhein-Brunnen an der Ludwigsbrücke als weiterer Standort befürwortet zu dem das Projekt mit der Corneliusbrücke und einem dritten Ort jährlich wechseln könne. Vertreter aller Parteien betonten, dass sie von der breiten Unterstützung für das Projekt in der Bevölkerung beeindruckt waren. Der Münchner Merkur schreibt schon wieder interessantes: über das von AWO und ASB geplante Isarinselfest am Vater-Rhein-Brunnen berichtet er heute als erstes.

Beschlossen wurde schließlich ein Änderungsantrag der SPD-Fraktion gemeinsam mit der Fraktion Grüne/Rosa Liste auch mit den Stimmen anderer Parteien (genaues reichen wir hier noch nach), in dem die Dauer des Kulturstrands auf 3 Monate festgelegt wurde. Tägliches Ende ist um 23.00 Uhr. Für die nächsten drei Jahre wurde die Stadtverwaltung gebeten, drei geeignete Standorte für das vom Kulturreferat, dem Referat für Arbeit und Wirtschaft und dem Schulreferat-Freizeitsport unterstützte Kulturprojekt (s.u.) zu finden, zwischen denen der Kulturstrand jährlich wechseln kann. Dazu dürften wohl die Corneliusbrücke, der Vater-Rhein-Brunnen und ein dritter noch zu findender Ort gehören und wir sind sehr optimistisch, dass Kreisverwaltungsreferat, Baureferat und Planungsreferat geeignete und spannende Orte finden. Die CSU stellte zudem einen Änderungsantrag, der heuer bereits den Kulturstrand an den Vater-Rhein-Brunnen bringen wollte.

Warum wird die Debatte über den Strand so intensiv geführt? Der Kulturstrand an der Corneliusbrücke entwickelt sich offenbar zu einem Ort, in den scheinbar alle Aspekte des Münchner Stadtlebens hineinprojiziert werden. Für die einen ist er Symbol für die Kommerzialisierung und den Niedergang der öffentlichen Ordnung. Für die anderen ist er ein Fleckerl Gelassenheit in der Großstadt, ein Kulturprojekt auf einem ansonsten menschenleeren Stadt-Balkon mit einmaliger Aussicht, die nun auch von vielen genossen wird. Für andere wiederum ist er ein Ort der (Jugend-)Kultur in der Großstadt mit der Möglichkeit live Musik von Münchner Nachwuchskünstlern umsonst und draußen zu hören.

Vielleicht spiegelt die Stranddebatte die allgemeine Diskussion um die Nutzung und Gestalt öffentlicher Räume in München wieder. Straßen, Plätze und Nischen gehören allen, somit hat auch jeder eine Meinung. Doch kann es dabei nur Entweder-Oder geben? Nur „ja“ oder „nein“? Entweder Landschaftsschutz und Ruhe oder Urbanität und Leben? Gibt es kein Mittelweg bei der Nutzung öffentlicher Räume und gleichzeitigem Schutz der AnwohnerInnen? Mehr Respekt und Toleranz für einander, ganz nach dem Motto „Leben und Leben lassen“ – Wäre das ein Ansatz um öffentliche Räume in München vielfältiger nutzen zu können und vielleicht auch gerade an der kernstädtischen Isar dem Verkehr den Schneid abzukaufen?

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Posted on by Benjamin David. This entry was posted in Kulturstrand. Bookmark the permalink.

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