die urbanauten & der Kulturstrand vor dem aus? – Noch nicht ganz!

Vielen Dank noch mal für die große Unterstützung! Ohne Euch wäre so vieles nicht möglich!

Für die Unterstützung gerade in den letzten Wochen durch Euch und Sie sind wir unendlich dankbar (siehe auch Facebook-Gruppe „Bitte, bitte, bitte gebt uns den Kulturstrand, wir sind auch ganz brav!“ und Bürger-Abstimmung auf „Direkt zu Christian Ude“)! Für diesen Sommer haben wir gemeinsam grad noch mal die Kurve gekratzt.

Die Süddeutsche Zeitung vom 25.4.2010 brachte es auf dem Lokaltitel auf den Punkt: „Den Urbanauten droht das aus“ und die Abendzeitung folgte am 27.4.2010 gleich mit einer ganzen Seite 3 zum Thema Ende bzw. Zukunft des Kulturstrandes. Auch Münchner Merkur, tz und die Bildzeitung berichteten (s.u.). Das Ganze war verbunden mit Kritik an der Stadtverwaltung und –politik. Auch die urbanauten haben einiges falsch gemacht vor lauter Überforderung. Anlass für die viele Berichterstattung und Unterstützung war die in Frage stehende Genehmigung des Kulturstrandes auf dem Isarbalkon an der Corneliusbrücke.

Während wir die Kritik gerade an der Stadt München so nicht formulieren wollen, wollen wir doch an dieser Stelle deutlich machen, dass die urbanauten wirklich vor dem Aus oder am Ende ihrer Kräfte stehen. Und das obwohl sich dutzende engagierte Mitarbeiter, Verwaltungsmitarbeiter, Stadträte und Bürgermeister unserer Stadt in den letzten Wochen um die Rettung des Projekts und auch der urbanauten bemüht und dabei sehr verdient gemacht haben. Dafür noch mal einen ganz großen Dank!!! Für dieses Jahr hat’s noch mal geklappt und wir können ein paar Monate weitermachen.

Der strukturelle Grund für unser langsam schon chronisches „Am-Abgrund-Stehen“ ist, dass wir bei unseren verschiedenen Kunst- und Kulturprojekten im öffentlichen Raum und auch mit unserem Zwischennutzungsprojekt „Repüblik“ in Schwabing viel zu viel Energie, Zeit und Geld mit Genehmigungsprozessen und den daraus resultierenden Aufgaben verbringen – und das soll keine Kritik an der Stadt München und ganz bestimmt nicht an einzelnen Personen sein! Ein kluger Mann hat uns in den letzten Tagen gesagt, es sei ein „systemisches Problem“, bestehend aus dem urbanautischen „Experimentier-Gen“ im öffentlichen Raum (und dem von anderen Gruppen & Künstlern) und den rechtlichen Verpflichtungen und der organisatorischen Struktur denen Kommunen notwendigerweise unterliegen. Fast schon per Definition landen all diese neuen Kunst- und Kulturprojekte zwischen den Stühlen der existierenden Verwaltungs- und Politikstrukturen und machen dort als mögliche „Präzedenzfälle“ Probleme.

Ungefähr 60% unserer Kräfte verwenden wir seit Jahren auf Genehmigungsprozesse, in den letzten sechs Wochen sogar – ohne zu Übertreiben – 137% Prozent. Dabei sind leider andere Projekte (wie „Isarlust – Temporäre Fußgängerbrücke“ oder die Vortragsreihe „Die Vermessung des Urbanen“) zu kurz oder unter die Räder gekommen, Finanzierungsfragen mussten liegen bleiben, für die Projektpartner und Mitarbeiter war die große Unsicherheit sehr hart und wir haben viele Leute vernachlässigt, die uns wichtig sind. In der Stadtverwaltung und –politik wird ebenfalls großer und engagierter Aufwand mit der rechtlichen und politischen Würdigung unserer Projekte verbracht. Diese Verfahren sind für uns und wir denken auch die Stadtpolitik und -verwaltung so nicht mehr machbar. Wir leben nahe am Münchner Existenzminimum bei gleichzeitigem Arbeitszeitmaximum! Existenzängste dominieren unser Denken und Handeln. Und bei der Stadt ist man von uns an mancher Stelle auch nicht zu Unrecht „genervt“.

Irgendwie gibt es ein strukturelles Problem, denn unsere Projekte gehören ja noch zu den Glücklichen, die dann irgendwie doch noch genehmigt werden. Für alle jungen „Stadtgestalter“ in unserer schönen Stadt gibt es dieses Problem, sei es bei Kunst- und Kulturprojekten im öffentlichen Raum oder bei Projekten, die man als „kulturelle Zwischennutzung“ bezeichnet. Viele, viele andere Kulturschaffende Gruppen oder Einzelkünstler kennen wir, die zermalmt wurden oder derzeit werden im Mahlwerk der rechtlich und politisch notwendigen! (hier liegt das Paradox!) Prüfungen – bei gleichzeitig sehr hohen Lebenshaltungskosten in München. Andere haben schlicht schon lang die Flucht ergriffen oder ihre Projekte aufgeben müssen.

Wir haben irgendwie durchgehalten, da wir viel Unterstützung von den MünchnerInnen, Partnern, Freunden, Eltern, Mitarbeitern, Mentoren, Bürgermeistern, Stadträten, Verwaltungsmitarbeitern und Journalisten erhalten haben und vielleicht auch unsere Stadt zu sehr lieben, um davon zu laufen. 

Nächstes Jahr wird das Verfahren vielleicht viel einfacher, vielleicht auch komplizierter. Der Vater-Rhein-Brunnen scheint als zweiter Ort im Wechsel zur Corneliusbrücke in Frage zu kommen. Aber, wie gesagt: viele andere Projekte und Menschen sind liegengeblieben in den letzten Wochen. Wir hoffen, dass wir wieder auf die Füße kommen und unsere Projekte auch in Zukunft fortsetzen können. Leicht wird es nicht werden. Und dabei wollen wir nicht wie „Heulbojen“ klingen (das war uns immer wichtig). Wir machen erst mal weiter! Genaueres gibt es hier: www.kulturstrand.org oder hier: www.die-repueblik.de. Oder auf diesem Blog.



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Posted on by Benjamin David. This entry was posted in Kulturstrand. Bookmark the permalink.

One Response to die urbanauten & der Kulturstrand vor dem aus? – Noch nicht ganz!

  1. Massimo says:

    Fakt ist doch, dass die Stadtverwaltung Münchens ein großer konservativ und chronisch bürokratischer Krake ist der alles in die Tiefe reißt was derStadt selbst keine Gewinne bringt. Wie viele interessanten, hochwertigen und kulturell attraktiven Club und Party Projekte wurden schon von der Stadt versenkt und wie viele müssen es noch sein? Stattdessen ist man bereit Geld für Tunnel auszugeben, die nichts nützen oder genehmigt lieber den nächst besten Billigclub in einem versifften Industriegebiet oder einen der direkt neben einem Krankenhaus unweit des Sendlinger Tors liegt!
    Ich verstehs nicht!

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