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     urban express 2.0 - 10 Kunst-Happenings im Raum der Normen
                                                 
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+++ angemeldet +++ angemeldet +++ angemeldet +++ angemeldet +++


+++ urban express 2.0 +++ Nr. 4 +++ über.sprung.handlung. +++ vor den Fünf Höfen +++



+++ Ticker +++

+++ 30.10.2008 +++ 9.55 +++
Fotos von Matthias Singer, Almuth David und Ulrike Bührlen:

           

       

+++ 22.10.2008 +++ 14.38 +++



Das Passagenwerk

urbanauten statten Fünf Höfen einen Hof-Besuch ab

Eine spannende Gratwanderung zwischen öffentlichem und privatem Raum liegt hinter uns.

Zur Vorgeschichte: Bereits vor Monaten hatten die urbanauten, ausgestattet mit Beschluss einer renommierten Kunst-Jury und des Münchner Stadtrats, bei der Stadtverwaltung eine Genehmigung für das Kunst-Happening „über.sprung.handlungen“ in den vermeintlich öffentlichen Fünf Höfen beantragt. Die Stadtverwaltung jedoch lehnte ab: die Fünf Höfe seien privater Grund und wir mögen uns doch an das zuständige „Center-Management“ wenden. Das sei ja immerhin bekannt für seine Kunstsinnigkeit, Hypo-Kunsthalle hier, Opernfest da. Das Kapital schmückt sich eben gern mit der Arbeit von Künstlern.

Nicht jedoch mit der interventionistische Arbeit der urbanauten, gar einem Kunst-Happening. Das klang dann doch nach ein bisschen zuviel Rabatz, für ein Haus, das gerade eine Ausstellung über Mickey Mouse und Kollegen in seiner! Kunsthalle beherbergt.

Frau Center-Managerin übermittelte uns – sehr zu ihrem Bedauern – nach Rücksprache mit den Eigentümern, die von der Stadt München, der Kunst-Jury und dem Stadtrat gewollte Kunst der urbanauten sei in den Fünf Höfen nicht erwünscht. Jury hin, Stadtratsbeschluss her, Kunst im öffentlichen Raum, egal. Was Kunst ist entscheidet in diesen „öffentlichen“ Passagen der private Kunstgeschmack. Man fürchte um den Ruf des Hauses, gar um eine Störung der Gäste in den ehrwürdigen Hallen der Fünf Höfe. Wo man sonst bei Bezirksausschüssen den Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung befürchtet, befürchtet man an dieser Stelle den Zusammenbruch der privaten Hausordnung. Angst benutzt Normen als Schutz.

Nun ist es ja nicht so, dass eine solchermaßen verwehrte Genehmigung den urbanauten an sich schrecken würde. Möglicherweise fühlt sich ein solcher urbanaut durch dermaßen Widerstand gar herausgefordert? Kurz und gut: die urbanauten beantragten also nun mehr eine Genehmigung bei der öffentlichen Hand. Und zwar VOR den Fünf Höfen. Und die Genehmigung wurde erteilt.

Und dort konnte man dann am gestrigen Dienstag ab 15.44 Uhr ein „Tohuwabohu“ bestaunen. Das rauchende und funkelnde „Raumschiff“ der urbanauten war direkt VOR den Fünf Höfen gelandet! Eine Landegenehmigung hatte man uns ja leider IN den fünf Höfen verwehrt.

Das Center-Management war angesichts eines solchen „Monstrums“ vor der Haustür durchaus erschüttert. Eilig erfolgte ein Anruf aus Berlin bei den urbanauten. Man sei enttäuscht, das diese sich nicht an die kommerzielle Logik der Eigentümer gehalten hätten. Und überhaupt: Man sei zwar schon ein öffentlicher Raum, ja, und Kunst finde man auch wirklich prima, aber man wolle keinesfalls einen urbanauten in den Fünf Höfen sehen, haben Sie das verstanden!

Und das obwohl auf der Homepage der von der „Union Investment Real Estate AG“ besessenen und von der „DTZ Zadelhoff Tie Leung GmbH Retail Services“ betriebenen Fünf Höfe der schöne Satz steht:

„Das CityQuartier [Fünf Höfe] ist offen und öffentlich. Es kommuniziert nach außen und nimmt Kommunikation von außen auf.“

Und dann steht da noch dies:

„Die Fünf Höfe laden ein zum Entdecken und Faszinieren – jedermann, jeden Tag.“

Und das es sich bei den Passagen der Fünf Höfe um Orte handelt, „an denen man nicht nur shoppen und genießen, sondern vor allem auch verweilen möchte“. Das wollten die urbanauten dann doch mal wörtlich nehmen.

Dem „Raumschiff“ vor dem Tore entstiegen demzufolge sieben geschniegelte Business-Männer und Business-Frauen, in glatten Kostümen, mit öligen Haaren, rechteckigen Aktenkoffern und klackernden Schuhen. In fast schon subversiver Manier infiltrierten diese vom herkömmlichen Publikum nicht zu unterscheidenden Kunst-Agenten verfolgt von einem halben Dutzend Fotografen inkognito den Raum der Fünf Höfe. Ein völlig überforderter, freundlich wenn auch bestimmter, Sicherheitsdienst mit „Anweisung von oben“ suchte händeringend und zunächst vergeblich nach gefährlichen Krawallbrüdern. Derweil ein Herr im Frack und rosa Hemd ebenfalls inkognito und mit Knopf im einen und Handy am anderen Ohr 2 Stunden lang die Geschehnisse fernmündlich nach Berlin in die Center-Management-Zentrale berichten durfte.

Vorweg sei schon einmal gesagt: das Abendland ist nicht untergegangen und die Fünf Höfe stehen noch. Denn der rebellierende urbanaut…

…spielt Jojo!

Oder lenkt ein ferngesteuertes Auto kunstvoll zwischen den Beinen der shoppenden Krawattenträger hindurch. Er spielt Memory am Häusereck. Wirft Mikadostäbe auf den harten Boden der Tatsachen. Übersprungshandlungen: die sieben „Business-Leute“ sprengen die Norm der Fünf Höfe und ihre eigene Fassade gleich mit. Noch am Telefon mit der Sekretärin fangen sie an mit der anderen Hand zu jonglieren, packen ein Hüpfseil aus oder kicken einen Watteball Richtung Kollegin. Sie pflegen liebevoll und liebesbedürftig die Topfblume auf ihrem Arm oder breiten eine entspannungsfördernde Plastik-Liegewiese vor dem Armani-Laden aus.

Der vorbeigehende Passant wundert sich über schicke „Besucher“, die sich plötzlich wild schluchzend in die Arme fallen, mal schnell und „ganz spontan“ der Kollegin einen Heiratsantrag machen oder wie erstarrt vor dem scheinbar schwebenden Kunstwerk im Viscardi-Hof stehen bleiben. Noch mehr wundern durfte sich der Passant dann darüber, dass diese ausgeflippten Business-Leute vom Sicherheitsdienst freundlich nach draußen gebeten wurden, jedoch kurze Zeit später in einem anderen Hof wiederauftauchten.

Und doch wurde bei diesem aufregenden Experiment deutlich, was auch schon urbanaut Martin Klamt bei seiner Ideen gebenden Diplomarbeit herausgefunden hatte. Der Immobilieninvestor und Center-Manager will primär keinen Ärger, keine laute Auseinandersetzung, keinen Kratzer an der glatten Fassade. Niemand rief die Polizei, der anfängliche Feuerwehreinsatz vor der Tür sollte nicht etwa das „Raumschiff“ der urbanauten löschen sondern ein Problem im Nachbarhaus beheben und der Sicherheitsdienst war der freundlichste, wenn auch bestimmteste Mann der Welt. So wurde die Norm aufrechterhalten. Am Ende tolerierte man gar das Jojo-Spiel an der Ecke.

+++ 22.10. 2008 +++ 10.18 +++
In der AZ erscheint ein Artikel unter der gleichen Unterschrift ("Urbanauten in der Genehmigungsschleife") in zwei Varianten, die eine noch in der Nacht, die andere am Morgen nach den Fünf Höfen.  

+++ 20.10.2008 +++ 15.13 +++
Der Newsletter wird heute das erste Mal über unser neues Newslettersystem versendet. Wer in Zukunft auch einen haben möchte, clickt auf das blaue registrieren-quadrat und registriert sich.

+++ 16.10.2008 +++ 9.19 +++
Die Genehmigung ist da - eine Sondernutzungserlaubnis für die Theatinerstraße, Hausnummer 8 bis 11 - vor den Fünf Höfen.

+++ 29.09.2008 +++ 15.22 +++
Der neue Termin steht.
Zumindest unsererseits. Die Künstler sind dabei und wir sowieso. Am 21.10. zwischen 15.31 und 17.47 Uhr wird die FuZo vor den Fünf Höfen okkupiert. Nun schreiben wir eine E-Mail und unterrichten die Stadt über den neuen Termin. Die Genehmigung hatten wir ja berets in den Händen, wird also sicher recht unkompliziert verlaufen.

+++ 5.09.2008 +++ 15.39 +++

Terminprobleme. Gerade haben wir mit den Improleuten gesprochen. Bei der Kerngruppe gibt es Terminüberschneidungen. Es wird nichts mit nächstem Dienstag. Sehr schade. Übers Wochenende versuchen wir einen neuen Termin zu finden.

+++ 4.09.2008 +++ 14.25 +++
Gerade hat der BA Vorsitzende vom BA 1 angerufen. Er findet die beiden Happenings "sehr pfiffig und orginell" und wünscht uns viel Erfolg. Vielen Dank, die Zustimmung des BA freut uns sehr!

+++ 3.09.2008 +++ 13.47 +++
Ortsbegehung. Auf dem Weg zum Mittagessenholen hab ich mir den Platz nochmal angeschaut. Sieht gut aus. Ansonsten nichts neues von der LH München. Mal schauen, ob es diesmal mit der Genehmigung einfacher wird. Soll ja schon in einer Woche stattfinden.

+++ 31.07.2008 +++ 12.32 +++

Kunst-Happening VOR den Fünf Höfen angemeldet.

+++ 20.03.2008 +++ 17.31 +++
Anruf von einem Mitarbeiter des Centermanagement. Die Entscheidung ist gefallen. Die Eigentümer wollen das nicht. Es passt Ihrer Meinung nach nicht in die 5 Höfe. Ihr Vorschlag es (in der öffentlichen) Fußgängerzone zu machen. Also die 5 Höfe doch zu elitär und privat für unser Kunstprojekt. Also Augen auf wo ist öffentlicher Raum und wo tut er nur so!

+++ 17.03.2008 +++ 14.00 Uhr +++
Heute treffen mit der Centermanagerin. Dabei wird das Konzept vorgestellt und erläutert. Sie selber kann es nicht entscheiden, aber am Donnerstag kommen die ChefChefs, die dürfen dann entscheiden. Mal sehen. Aber es herrscht die Angst vor dem Präzidenzfall. Öffnet man einmal die Tür kommen gleich Nachahmer. Wir sind gespannt wie öffentlich die 5 Höfe wirklich sind.

+++ 10.03.08 +++ 9.28 +++
Wir bekommen einen Anruf der Verwaltung der 5 Höfe. Mehr Details werden gefordert. So richtig vorstellen können Sie sich das noch nicht. Wir setzten uns hin und arbeiten ein Konzept aus, treffen uns mit den Improleuten und verfeinern.

+++ 4.03.2008 +++ 17.41 +++
Wir schreiben an die Centermanagerin der Fünf Höfe. Und sind gespannt was sie zu unserem Konzept sagt.

+++ 28.02.2008 +++ 10.41 +++
Also doch: Die Stadt ist nicht zuständig und weiß auch keinen Ansprechpartner. Wir begeben uns auf die Suche.

+++ 25.02.2008 +++ 16.52 +++
Anmeldung bei der LH Münchnen für die 5 Höfe. Die 5 Höfe geben sich ja den Anschein ein öffentlicher Raum zu sein. Mal sehen wie öffentlich sie wirklich sind.

+++ 13.12.2007 +++ 15.38 +++
Der Kulturausschuss der LH München hat's beschlossen: Urban Express 2.0 wurde von einer Fachjury (hier die Begründung) als förderungswürdig empfunden und wird im Rahmen der Projektreihe "Kunst im öffentlichen Raum - Musik sehen, Kunst hören" des Kulturreferats der LH München stattfinden +++


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+++ zu der anderen Kunst-Happenings von urban express 2.0 +++











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