+++ 17.08.2009 +++ die Eroberung des Internets Teil 2 +++
+++ 13.07.2009 +++ die Eroberung des Internets +++
die urbanauten gibt´s jetzt auch bei Facebook. Werdet Fan und verfolgt auch da die Performance der Performance.
+++ 01.07.2009 +++ zweiter Testlauf +++
+++ 21.06.2009 +++ Flash Mob & Debatte +++
Der Methode des Flash Mobs wohnt ein inheräntes Demokratiedefizit inne. Wie Schafe richten sich die Teilnehmer zusätzlich manipuliert durch die Masse der Anwesenden (Schwarm) nach den sinnlosen Anweisungen einer Zentrale. Im Projekt der urbanauten wird dies experimentell noch gesteigert. Durch unmittelbare Kommunikationsmittel wie SMS oder auch MP3-Player wird den Teilnehmen mit einer suggestiven Unmittelbarkeit die Zeit zum reflektieren genommen. Das ganze kommt dann noch als Spaß daher, was jegliche Reflexion unnötig erscheinen lässt, gerade für unsere Generation.
Und doch bieten moderne Mittel wie Flash Mobs, SMS und MP3-Player die Möglichkeit eine größere Menge Leute für kurze Zeit an einem Ort zu versammeln, dort gemeinsam zu handeln und dann gleich weiterzuziehen. Ein Blitz-Entdeckungsreise mit vielen wird so möglich. Gerade für die urbanauten, die sich für die Entdeckung von neuen Öffentlichen Räumen und die Erforschung öffentlicher Lebensformen, aber auch für die Nutzung von Öffentlichen Räumen in neuem Licht interessieren, erscheint dies eine spannende Methode, wenn auch mit der Methode das Ziel noch nicht erreicht ist.
Als Teil des Experiments soll darum im Anschluß an die 90-minütige Tour durch den Stadtraum eine Debatte unter den Teilnehmer stattfinden. In der guten alten Tradition des Debattierclubs der urbanauten, findet im Anschluß unter dem Schutz eines konspirativen, nur für die Teilnehmer bekannten, Ortes eine gemeinsame Reflexion über die entdeckten Räume, das entdeckte urbane Leben aber auch eine kritische Reflexion der verwendeten Methode statt. Hierzu werden internationale Experten zu modernen performativen Möglichkeiten im öffentlichen Raum eingeladen. Der „Erfinder“ des Flash Mobs Chris Todd aus New York, die „Päpste“ der Medienkunst von Blash Theory aus England, Rimini Protokoll aus Berlin, ….
Da urbanauten gerne Spaß haben während sie ernstes ausdiskutieren und den lukulischen Genüssen nicht abgeneigt sind, gibt es zu dieser Debatte eine erhebliches Buffet und jede Menge frisches Bier, für Anspruchsvolle anständigen Wein. Die Ergebnisse werden per Videokamera festgehalten und gemeinsam mit den Szenen des Flash Mobs zu einem kurzen Internetfilm verarbeitet.
+++ 15.06.2009 +++ erster Testlauf +++
+++ 15.06.2009 +++ flash.mob.MUC – Ein Experiment zur Weiterentwicklung der „Collective Action Theory“
Neue Kommunikationsmittel ermöglichen eine Weiterentwicklung von Formen der kollektiven Aktion. Während sich mit E-Mail & Megafon viele Teilnehmer zu einem Flash Mob organisieren lassen, der plötzlich an irgendeinem Ort der Stadt, irgendetwas tut, lassen sich mit weiteren Kommunikationsmitteln wie SMS oder auch Twitter „Urbane Schwärme“ organisieren, so die These. Die Teilnehmer werden – wie von einer unsichtbaren Hand – für 90 Minuten durch den Stadtraum gelenkt, entdecken bis dato unbekannte Räume. Experimentieren mit urbanen Aneignungsstrategien. Überschreiten Grenzen. Normen verlieren ihre Gültigkeit. Der Schwarm erobert den öffentlichen Raum zurück in einer fragmentieren, beschleunigten und privatisierten Stadt.
In einer umfangreichen Choreographie lernen die mehreren hundert Teilnehmer dabei in einem Crash-Kurs urbane Guerilla Taktiken: Streetart, Flash Mobs, Guerilla Gardening, Permanent Breakfast, Reclaim the Streets, LED Grafitti, MP3, Free Hugs, … Diese Open Source Taktiken haben gerade in München einen großen Vorteil – man benötigt keine Genehmigungen. Die Wirkung ist stark, die Folgen sind harmlos.
+++ 13.06.2009 +++ die urbanauten & Theater +++
Das Konzept der urbanauten will auch einen Beitrag zur aktuellen Entwicklung des Theaters in der Stadt leisten. Während wir uns keinesfalls vorstellen können das ästhetische Niveau der Stadttheater oder der etablierten freien Szene zu erreichen, sehen wir doch Aspekte, die uns an der aktuellen Debatte um die Relevanz des Stadttheaters bzw. des Theaters für oder gar mit der Stadt reizen.
Auffällig ist, dass das ästhetische Niveau vieler Stadttheaterproduktionen mit Laien oder im Sinne des dokumentarischen Theaters von Kritikern und Theatermachern als sehr gering beurteilt wird. Da können wir mithalten, bzw. sind froh das der Anspruch nicht zu hoch ist.
Ebenfalls fällt auf, dass zwar viel von Nachhaltigkeit und Langfristigkeit als Ziel die Rede ist, in der Praxis aber, bis auf einzelne Ausnahmen, keine Dauerhaftigkeit bei den soziokulturellen Projekten in der gesellschaftlichen Peripherie entstehen. Kein Problem: dies soll auch nicht unser Anspruch sein. Uff. Ganz im Gegenteil wollen wir ein flüchtiges, wendiges, billiges und schnelles Konzept zur entdeckung von öffentlichen Räumen und sozialen Milleus vorschlagen und im Rahmen des SpielArt-Festivals als Experiment ausprobieren. Nur so, so die These, ist evtl. eine Nachhaltigkeit, weil Wiederholbarkeit möglich.
Bei den exkursiven Projekten der Stadttheater der let
zten Jahre, wurde immer eine aufwendige Recherche-Phase vorgeschaltet. Interviews, Archivrecherchen und Workshops halfen Regisseuren und Dramturgen aus Alltagsgeschichten Theater zu formulieren. Trotzdem blieben viele Inszenierungen mit Laien oft mit wenig Tiefgang, Peinlichkeiten waren an der Tagesordnung. Bei vielen Projekten waren die Publikumsdiskussionen im Anschluß an die Aufführungen das eigentlich wertvolle. Das wollen wir aufgreifen. Im Anschluß an die mobilen Happenings z.B. im südlichen Bahnhofsviertel, soll es Publikumsgespräche in der Tradition des Debattierclubs (mit Buffet & Bier) der urbanauten geben. Hierzu werden Akteure eingeladen, die beim flüchtigen Run durch den Stadtraum nur kurz touchiert wurden. Lukulisches bringt Leute zusammen. Bier löst die Zunge. Idealerweise entsteht beim Publikumsgespräch ein Diskurs zwischen den beteiligten Gruppen: Publikum/Teilnehmer, „urbane Experten“/Ortsansässige, urbanauten/Organisatoren, urbanen Guerilleros/“Ausbilder“.
Deutlich wird, dass viele dieser Projekte erst in der fotografischen oder textlichen Dokumentation zum Leuchten kommen. Auch dieses Aspekt wollen wir aufgreifen. Alle beteiligten arbeiten an einem Tagebuch mit, dass direkt auf der Homepage der urbanauten als Blog öffentlich zugänglich wird. Von den Nutzern des Netzes kann kommentiert, wenn auch nicht mitgeschrieben, werden. Außerdem werden Aktionen und Debatte fotografiert und gefilmt und zu einem Kurzfilm verarbeitet. Die Hoffnung ist, dass die lokalen Medien ihren Teil beitragen zur Dokumentation/Veröffentlichung der Erfahrungen aller Beteiligten. Das erfordert aber auch eine Zuspitzung der Themen und eine Reduzierung der Kopflastigkeit des Projekts.
+++ 07.06.2009 +++ SPIELART, ein Experiment +++
Haben wir gestaunt als Tilman Broszat uns anrief. Und dann noch mal gestaunt, als die städtische Theaterjury unsere Skizze „flash.mob.MUC“ für förderwürdig befand. Gestaunt haben wir, weil wir bestenfalls mal ein Geschenkabo der Kammerspiele erstehen oder bei Mutterns Theaterabo mal mitgehen, wenn der Vater nicht kann. Und wir sollen einen relevanten Beitrag zum SpielArt-Festival leisten können. Das ist natürlich schon toll, wenn die Theatermacher der Stadt meinen, die urbanauten hätten Ihnen was zu sagen. In eine Menge Selbstzweifel hat uns das gestürzt. Denn während wir schon wissen, dass wir (oder die Reaktion des „Systems“) in den letzten Jahren dafür gesorgt haben, dass es eine Menge Theater in der Stadt rund um die Projekte der urbanauten gegeben hat, so wären wir doch nie auf die Idee gekommen, dass wir selber Theater machen könnten.
Natürlich ist uns irgendwie schon aufgefallen, dass rund um die Kammerspiele oder auch beim SpielArt-Festival immer wieder Stadttheater gemacht wurde. Mittlerweile wissen wir, durchs Studium der einschlägigen Literatur, dass die Theater der Stadt ein dringendes Bedürfnis verspüren aus ihren Theater raus in die Stadt zu gehen oder auch die Menschen der Stadt in ihr Theater reinzuholen. Aber warum jetzt wir? Die wir keine Regisseure sind, keine Schauspieler und keine Dramaturgen. Die wir noch nie in auf einer Theaterbühne inszeniert haben.
Und doch haben wir uns sehr geschmeichelt gefühlt. Und nachdem uns letztes Jahr die Architekten gefragt haben, ob wir bei Ihrer Architekturwoche als Kuratoren urbanautisches zum besten Geben könnten, fragt jetzt eben das Theater. Na gut. So soll es sein.
Und vielleicht haben wir uns ja auch was zu sagen. Denn beim lesen übers und vom Theater der Stadt merken wir doch, dass man sich dort ganz ähnliche Fragen stellt. Ja, vor allem, dass man sich dort Fragen stellt! Ganzschön ratlos ist, angesichts einer sich immer schneller (und nicht zum Guten?) wandelnden Gesellschaft. Erschrocken ist angesichts der gesellschaftlichen Fragmentierungen und Beschleunigungen. Geradezu schockiert ist wie die Freiheit auf dem Schaffot der Sicherheit geopfert wird. Betroffen ist von politischen Entwicklungen und medial überhöhten Ereignissen…
Da geht es uns ganz ähnlich. Hier kommen wir vielleicht zusammen. Den während das Theater sich noch Fragen stellt, geben urbanauten schon eine Antwort. Die Antwort der urbanauten ist es in einer fragmentierten und beschleunigten Gesellschaft, in einer Zeit des Rückzugs ins Private und der Privatisierung, in einer Zeit, da TV, Radio, youtube, E-Mail, Home!page, Lieferservice und Tele- Allesmögliche eigentlich das Verlassen der eigenen vier Wände unnötig (unmöglich?) machen, radikal dem öffentlichen Raum zuzuwenden.
Die Strategie ist klar. Konkrete öffentliche Situationen im öffentlichen Raum der Stadt schaffen. Begegnung, Interaktion und Kommunikation im öffentlichen Raum zu ermöglichen. Dabei mit der Methode des Experiments immer neue Formen der konkreten Öffentlichkeit auszuprobieren.